Die Müllabfuhr im Körper, wie sich Frank Oberle, Leitender Arzt des INUSpherese® Zentrum in Gais ausdrückt, wird durch den Plasmareinigungsvorgang leicht gemacht. Ein Verfahren, das nur zwei Kliniken in der Schweiz anbieten, eine davon in Gais (AR).

Was genau ist eine INUSpherese®?
Das ist eine Möglichkeit, mit einem Filtersystem unser Blutplasma von toxischen Belastungen zu reinigen und damit unsere körpereigene Regulation und Entgiftung wieder in ausreichendem Masse zu aktivieren. Es ist eine Erweiterung der schon seit Jahrzehnten bewährten Plasmapherese, allerdings mit enorm erweitertem Spektrum, was alles aus dem Körper an Schadstoffen herausgefiltert werden kann. Die Geräte und patentierten Filter werden von Schweizer Firmen hergestellt.

Haben wir alle Schadstoffe in uns?
Ja, wir haben als Menschheit seit 1950 ca. 450 000 neuartige Fremdstoffe erfunden. Viele davon sammeln sich in unserem Körper an, zusätzlich zu denen, die schon länger als Problemauslöser bekannt sind, zum Beispiel Schwermetalle wie Quecksilber, das auf Platz drei der gefährlichsten Toxine eingeschätzt wird. Selbst im Nabelschnurblut eines Neugeborenen können solche Stoffe regelmässig nachgewiesen werden. Je älter wir werden, desto mehr Zeit hatten wir, diese im Körper zu sammeln – sie können zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen. So hat sich das Auftreten von Autoimmunkrankheiten oder Allergien in den letzten drei Jahrzehnten teilweise bis zu verdreifacht, so auch Probleme im Alter wie frühzeitige Demenz. Selbst beim Alzheimer verdichten sich immer mehr die Zusammenhänge mit Umwelttoxinen.

Welche Substanzen können durch die INUSpherese® im Körper verringert werden?
Das reicht von Schwermetallen über Pestizide, Holzschutzmittel, Lösungsmittel, Farbstoffe – also alles, was wir beruflich oder am Wohnort, auch zum Beispiel in Neubauten, oder eben durch unsere Ernährung in uns aufnehmen. Diese Stoffe fliessen nicht frei im Körper, sondern gehen chemische Verbindungen ein. Unter anderem sind das Proteine, die so eine unnatürliche Form annehmen und auch ihre Funktion im Körper verlieren. Diese werden bei der INUSpherese® erkannt und eliminiert. Aber auch Antikörper bei Autoimmunkrankheiten, Silikonpartikel und sogar Viren können im Eluat nachgewiesen werden.

Was ist ein Eluat?
Das ist quasi das, was in unserem Abfallsack dann übrigbleibt – all das, was nicht in den Körper zurückdurfte. Dieses können wir dann auf Wunsch in einem Speziallabor, das nach gerichtsmedizinischem Standard Analysen durchführt, untersuchen lassen. Manchmal führt uns dann diese Analyse auch zur Diagnose. Das Verfahren ist also sozusagen Therapie und gegebenenfalls auch Diagnostik in einem.

Wie stellen wir und den Vorgang am Patienten vor?
Es ist erfreulich einfach und schonend durchführbar. Wir legen zwei Infusionsleitungen meist in beide Ellbeugen und das Blut fliesst zum Einweg-Filtersystem der Maschine, wird gereinigt und am anderen Arm zurückgegeben. Der ganze Vorgang dauert etwa zwei bis drei Stunden.

Für wen ist die Methode geeignet?
Ich würde es anders formulieren: Für wen ist es nicht geeignet. Da wir alle die gleiche Problematik der Umweltbelastung haben, ist schon allein aus prophylaktischen Gründen eine Reduktion der toxischen Belastung ein spannender Gedanke. Für alle, die chronische Gesundheitsherausforderungen haben und bisher mit Therapien keinen Durchbruch stattfand, könnte das eine Möglichkeit sein. Es gibt aber natürlich viele Erkrankungen, bei denen eine direkte Indikation gegeben ist. Das haben wir auf unserer Homepage detailliert aufgeführt.

Ist das INUSpherese® Zentrum eine separate Abteilung der Alpstein Clinic?
Oh nein, ganz und gar nicht. Das ist ja gerade unsere Stärke, diese Methode mit anderen Behandlungen von unseren Ärzten, Heilpraktikerinnen, und MPAs zu kombinieren. Wir stellen immer individuell die Indikation für die Behandlung und können zum Beispiel dann die Plasmareinigung mit unterstützenden Infusionen, Fiebertherapien oder Ausleitungsverfahren wie die Colonhydrotherapie, bei der auch die Belastungen im Darm eliminiert werden, kombinieren. Das Ziel ist immer, das Immunsystem des Patienten zu stärken und ihn wieder in seine eigene Regulation zu bringen, so verbinden wir Hightech-Verfahren mit Naturheilkunde.

Der Abfallsack - auch Eluat genannt - mit den Restbeständen aus der INUSpherese®
Med. pract. Frank Oberle

Med. pract. Frank Oberle

Facharzt für Anästhesiologie, Leitender Arzt am INUSpherese® Zentrum Alpstein Clinic, Gais (AR)
Weitere Informationen: www.alpstein-clinic.ch

Endometriose ist eine gutartige, chronische Erkrankung, bei der es zu einer Ansiedelung von Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter kommt. Es bilden sich Gebärmutterschleimhaut-Inseln, so genannte „Herde“, die sich typischerweise an den Eierstöcken oder am Bandapparat der Gebärmutter – grundsätzlich aber auch im sonstigen Bauchraum – ansiedeln. Es kann aber auch sein, dass sich dieses „Gewebe“ innerhalb der Muskulatur der Gebärmutter bildet (Adenomyose).

Typische Beschwerden einer Endometriose sind z.B. starke Schmerzen während der Periode (Dysmenorrhoe), verlängerte Blutungen und/oder verstärkte Blutungen (Hypermenorrhoe) sowie Übelkeit/Erbrechen oder Schmerzen schon vor der monatlichen Menstruation. Anderweitige Symptome wie Beschwerden beim Stuhlgang/Wasserlösen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind allerdings keineswegs ausgeschlossen. Oder man verspürt überhaupt keine Schmerzen oder Beschwerden! Denn die Grösse und Tiefe dieser „Herde“ steht nicht im direkten Verhältnis zum Schmerzausmass. Vielmehr sind die Symptome sehr unterschiedlich und bei jeder Frau individuell, was die Früherkennung nicht unbedingt einfacher macht.

Man geht davon aus, dass ca. 10% aller Frauen im gebärfähigen Alter an Endometriose leiden. In den meisten Fällen verstreichen 7-10 Jahre von den ersten Symptomen bis zur sicheren Diagnosestellung mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie). Vielfach werden die Regelschmerzen auch einfach als „normal“ bezeichnet und nicht ernst genommen – mit fatalen Folgen.

So kann die Endometriose ursächlich für Unfruchtbarkeit (unerfüllter Kinderwunsch), eine psychische Erkrankung oder Einschränkungen im Alltag bzw. Absenz am Arbeitsplatz infolge der Schmerzen sein.

Die Behandlung ist individuell – in Frage kommen Hormonpräparate, Schmerzmittel, eine Operation, psychotherapeutische Unterstützung oder sonstige komplementärmedizinische Methoden wie z.B. Entspannungstechniken oder Akupunktur.

Eine Operation (Laparoskopie) wird meist erst bei einem konkreten Kinderwunsch, im Falle des Scheiterns anderer Behandlungsmöglichkeiten oder nicht mehr aushaltbaren Schmerzen in Betracht gezogen. Denn eine Operation ist immer auch ein Risiko, auch für neue Verwachsungen/Verklebungen im Bauchraum. Aber es kann sich auch sehr positiv auswirken. Die Behandlung muss für jede Frau individuell angepasst werden.

Die Ursachen der Endometriose ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet aber, dass während der Periode ein Teil des Menstruationsblutes über die Eileiter in den Bauchraum fliesst. Dieses Menstruationsblut enthält lebensfähige Gebärmutterschleimhaut-Zellen, die sich im Bauchraum ansiedeln können. Auch Gene spielen eine grosse Rollen, da die Krankheit vielfach auch vererbt wird.

Wichtig ist, dass jede Frau einen guten Frauenarzt bzw. eine gute Frauenärztin hat, der/die ihre Leiden ernst nimmt und eine individuell angepasste Therapie einleitet. Leider ist die Endometriose immer noch ein rechtes Tabuthema, was viel mehr Aufmerksamkeit und Frühaufklärung verdient. Wir tun unser Bestes, um unseren Beitrag hierzu zu leisten.

Carina Keller

Carina Keller

Physician Assistant Manager (MED4LIFE)

Der menschliche Körper braucht Vitamin B12 für verschiedene Abläufe – wie zum Beispiel für die Nervenfunktion, die Zellteilung, die Blutbildung und den Energiestoffwechsel. Deshalb ist es wichtig, dass man darauf achtet, genügend Vitamin B12 auch über die Nahrung zu sich zu nehmen, damit kein Mangel entsteht. Grundsätzlich kann der Körper auch bei geringeren Zufuhrmengen von Vitamin B12 noch über Jahre auf seine Depots zurückgreifen. Damit ist Cobalamin – wie Vitamin B12 auch genannt wird – das einzige wasserlösliche Vitamin, welches der Körper über mehrere Jahre speichern kann. Allerdings sind irgendwann die Depots erschöpft, ein manifester Mangel bleibt dabei leider häufig unentdeckt.

Um einen Mangel festzustellen, ist zunächst eine venöse Blutabnahme notwendig, um Ihren Vitamin-B12-Spiegel im Blut zu erheben. Das Ergebnis erhalten Sie bereits nach 1-2 Tagen. Weitere Tests können folgen, um im Falle zu niedriger Vitamin B12-Konzentration im Blut beispielsweise die Resorption, d.h. die Stoffaufnahme, zu ermitteln. Wenn die Werte pathologisch sind, stellt sich jedoch zu aller erst die Frage, ob es auf eine unzureichende Nahrungszufuhr zurückzuführen ist. Eine kurzfristige Therapie zum Anreichern der Depots kann über Tabletten, Kapseln oder Tropfen geschehen. Wenn die Ursache darin liegt, dass der Körper das Vitamin B12 nicht adäquat aufnehmen kann, so wird normalerweise mit Spritzen therapiert. 

Welche Symptome entstehen bei einem starken Vitamin B12-Mangel?

  • Müdigkeit
  • Zungenbrennen
  • Haarausfall
  • Unsicherheit beim Gehen
  • Benommenheit
  • Kribbeln an Händen und Füssen
  • Gedächtnisprobleme/Verwirrtheit
  • Depressive Verstimmungen

Wie viel Vitamin B12 sollte man täglich zu sich nehmen?

Bei einer erwachsenen Person liegt die empfohlene Tagesdosis der Schweizer Gesellschaft für Ernährung (SGE) bei 4 Mikrogramm. Während der Schwangerschaft liegt der Bedarf bei 4,5 Mikrogramm und steigt auf 5,5 Mikrogramm bei stillenden Müttern.

In welchen Lebensmitteln findet sich Vitamin B12 überhaupt?

Vitamin B12 findet man überwiegend in tierischen Produkten wie Fleisch, Meeresfrüchte und Eiern. Aus diesem Grund haben vor allem Vegetarier und Veganer häufiger mit einem Mangel zu kämpfen. Forscher konnten zwar auch in Pilzen, Algen und Blattgemüse Spuren von Vitamin B12 feststellen. Jedoch ist dieser Gehalt zu gering. Sollten auch Sie Vegetarier oder Veganer sein, empfiehlt sich daher durchaus die Einnahme eines Vitamin-Präparats. Nahrungsergänzungsmittel sind per se mit Vorsicht zu behandeln – sie sollten wie der Name bereits sagt die Nahrung ergänzen und nicht im Kern ausmachen. Sofern aber der Körper über die reguläre, tägliche Ernährung zu wenig eines bestimmten Nährstoffs erhalten würde (wie im Fall eines Vegetarier oder Veganers mit Vitamin B12), sollte eine Supplementierung in Betracht gezogen werden.

Was sind die besten Lebensmittel zur Deckung des Vitamin B12-Bedarfs?

  • 100g Rinds-/Kalbsleber – 60-65 µg
  • 100g Kaviar – 16.0 µg
  • 100g Austern – 14.5 µg
  • 100g Forelle – 4.5 µg
  • 100g gegarter Lachs – 2.9 µg
  • 100g Mageres Rindsfleisch – 5.0 µg
  • 100g Emmentaler/Camembert – 3.1 µg
  • 100g Mozzarella – 2.0 µg
  • 1 gekochtes Ei – 1.1 µg
  • 1 Glas Kuhmilch – 0.6 µg
Jessica Nef

Jessica Nef

Development Education Manager (MED4LIFE)

Functional Training ist heutzutage in aller Munde. Seit ca. 20 Jahren hat diese Trainingsform, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen mag, Einzug in die Fitnessstudios und in das Athletiktraining gehalten – nicht zuletzt durch prominente Wegbereiter wie Gray Cook, Michael Boyle oder Mark Verstegen. Doch was verbirgt sich überhaupt hinter diesem Begriff?

Krafttraining wurde nicht zuletzt durch den Aufschwung des Bodybuilding in den 70er- und 80er-Jahren durch namhafte Vertreter dieser Zunft wie Arnold Schwarzenegger gleichgesetzt mit aktiver Körpergestaltung und isoliertem Training einzelner Muskeln, um eine maximale Hypertrophie (d.h. ein Massewachstum) zu erreichen. Mittel der Wahl, um diesen Effekt zu erzielen, waren und sind Fitnessgeräte wie man sie heute in jedem Fitnessstudio finden kann. Primäre Bewertungskriterien für diesen Sport sind insbesondere die Muskulosität (Masse, Härte, Definition, Vaskularität der Muskulatur), die Symmetrie (zwischen linker und rechter Körperhälfte) und die Proportionen (zwischen den einzelnen Muskelgruppen) – mit dem Ziel ein möglichst ästhetisches Gesamtkunstwerk zu präsentieren.

Mit den Ursprüngen und der durch die Evolution eingeschliffenen Funktionsweise unseres Bewegungsapparates hatte dieses Trend nicht mehr sonderlich viel zu tun. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass mit dem “Functional Training” Anfang der 2000er-Jahre eine Rückbesinnung auf die Funktionalität menschlicher Bewegungsmuster eingesetzt hat, die sich den zunehmend “unfunktional” gewordenen Praktiken im Krafttraining bis heute entgegenstellt. Doch was versteht man unter funktionalen Bewegungen überhaupt?

  • Sie involvieren mehrere Muskeln und Muskelgruppen gleichzeitig, wirken auf mehrere Gelenke (z.B. Laufen, Springen, Tragen) und sind zumeist komplex (koordinativer Aufwand für die im Gehirn modulierten Bewegungsabläufe)
  • Sie sind alltagsrelevant und keiner einzelnen Sportart zuzuordnen (z.B. Aufheben eines schweren Gegenstands vom Boden, Hochziehen des Körpers an einem Objekt, schnelles Weglaufen vor einer Gefahr). Wichtig ist die Anmerkung, dass “alltagsrelevant” sich auf die Vielzahl körperlicher Herausforderungen bezieht, auf die die Evolution uns vorbereitet hat, und nicht auf den vorwiegend sesshaften und bewegungsarmen Alltag unserer heutigen Zivilisation.
  • Sie entspringen einer starken Rumpfstabilität (= Core) und erlauben erst dann eine effektive Kraftübertragung auf die menschlichen Extremitäten. Auf diesem Zusammenhang basieren fast alle Sportarten, die wir kennen: Ohne starken Rumpf und reziproken Einsatz von Hüfte und Schulter gelingt einem Golfspieler kein sauberer Aufschlag bzw. eine erfolgreiche Aktion – genauso wenig wie einem Tennis- oder Fussballspieler, einem Sprinter oder einem Gewichtheber (um nur ein paar Beispiele von vielen zu nennen).
  • Sie sind auf Ganzheitlichkeit fokussiert, indem sie einen Ausgleich der grundsätzlichen, körperlichen Fähigkeiten propagieren (siehe auch unseren Artikel “Was ist Fitness?“). Ein Zugewinn an Kraft bei gleichzeitigem Verlust von Balance oder Koordination wäre vor diesem Hintergrund zum Beispiel nicht anzuraten.

Mit diesem Ansatz einhergehend beschäftigt sich das Functional Training notwendigerweise auch mit Einschränkungen in der Funktionalität von Bewegungen (Dysfunktionen und -balance sowie Asymmetrien) durch unzureichende Mobilität und/oder motorische Kontrolle. Leider verlangt unser heutiger Alltag – ebenso wie viele Trainingsformen des Krafttrainings -, dass wir das Wort “Functional” als Spezifikation zum Training hinzufügen, um auf die beabsichtigten Effekte hinzuweisen. Ohne unfunktionales Training gäbe es schliesslich kein funktionales.

Eine gute und ansprechende Anlaufstation für Übungen aus dem Functional Training findet sich in der Übungsbibliothek (Exercise Library) von Functional Movement Systems inklusive Anleitungen zur jeweiligen Übungsausführung mittels Text und Bewegtbild.

Dr. Carsten Paulus

Dr. Carsten Paulus

Chief Executive Officer (MED4LIFE)
Bewegungstherapeut und Fitnesstrainer (MED4LIFE)
Coach für Sporternährung (MED4LIFE)

«Zu hoher Zucker, zu schwer, zu füllig an den Rippen, zu hoher Blutdruck, zu hohe Fettwerte… Wenn Sie so weiter machen, dann endet das in einer metabolischen Gefäss-Herzkreislauf-Katastrophe mit Insulinspritzen, Arthrosen, Schlaganfall und Herzinfarkt! Ausser Sie tun genau das, was wir Ihnen sagen». So oder so ähnlich beginnen viele Ratgeber zum metabolischen Syndrom. Nun, das Schüren der Angst mag bei einigen Betroffenen zu einer Verbesserung der soeben aufgeführten Parameter führen. Der Impuls zur Änderung des Lifestyles – so bleibt jedoch auf Basis meiner jahrzehntelangen Erfahrung in der ambulanten Medizin zu befürchten – entspringt viel zu häufig Bedenken und Angst. Angst ist leider ein mächtiger und manipulativer Ratgeber. Drohende gesundheitliche Folgeerkrankungen und gesellschaftliche Schönheitsideale sorgen für ein schlechtes Gewissen und Angst, am “Schaufeln des eigenen Grabs” oder der sozialen Isolation am Ende selbst Schuld zu sein. In unserer Leistungsgesellschaft ist der Druck auf dem Einzelnen, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, sehr hoch.

Kommen wir zunächst zu den Komponenten des Metabolischen Syndroms, um ein einheitliches Verständnis für die damit bezeichneten Symptome zu kreieren.

  • Übergewicht und erweiterter Umfang der Taille
    Grundsätzlich schützt uns Übergewicht vor Hungertod oder Erfrieren – ein Mechanismus, dem jeder Igel oder Bär zustimmen würde. Freuen wir uns doch, dass in Zentraleuropa weder Hunger noch Kälte akute Probleme darstellen und trennen uns ruhigen Gewissens von dieser Sorge. Der Körper ist auf den Aufbau von Reserven durch unsere hormonaktiven Fettzellen bestens vorbereitet, denn in keiner Epoche der Menschheitsgeschichte dürfte das Nahrungsangebot so gut verfügbar und hochkalorisch gewesen sein wie heutzutage. Unser Stoffwechsel ist eben noch nicht im Jahre 2021 angekommen – helfen wir ihm und zeigen ihm die beste Navigation durch unsere Zivilisation. Angst löst das Problem nicht: Besser sind ein grundlegendes Wissen um die physiologischen Mechanismen und die Vermittlung von Methoden, um eine “artgerechte” Ernährung zu erlernen und zur Gewohnheit zu machen.
  • Erhöhter Blutzucker
    Ein erhöhter Blutzucker geht meist einher mit Übergewicht oder kann die Folge von Inaktivität sein. Es ist ein Phänomen des 21. Jahrhunderts, dass wir uns immer weniger Zeit für reale Bewegung nehmen. Damit meine ich Zeitfenster für sportliche Aktivitäten oder ein erholsamer Waldspaziergang und nicht die omnipräsente Rastlosigkeit und Angst, etwas zu verpassen. Es ist grotesk: Termindruck und Alltagshektik sorgen für psychische Dynamik (oft unvorteilhaft), aber für körperliche Bequemlichkeit und Stillstand. Lösen wir uns doch von der Angst, nicht effektiv zu sein, und gönnen uns öfter einmal eine längere Wanderung. Ja, auch Sport darf sein – und gerne mehr als die notwendigen 20 min/Woche, die uns die Hightech-Fitnessindustrie empfiehlt. Sport und Bewegung ist Zeit für uns: Wir müssen sie uns nur nehmen.

  • Erhöhte Blutfette
    Erhöhte Blutfette sind nicht nur auf Übergewicht zurückzuführen, sondern häufig auch auf qualitativ minderwertige und vermeintlich kostengünstige Ernährung. Kostengünstig stimmt sogar in gewisser Hinsicht. Pro eingekaufte Kalorie ist industriell verarbeitetes Essen relativ am günstigsten – nur ist Hunger in den meisten Industriestaaten eher kein akuter Engpass (mehr). In diesem Zusammenhang kommt dann die “Nährstoffdichte” ins Spiel: Statt in der verhältnismässigen unsinnigen Kaloriendichte zu denken, geht es zunehmend darum, dem Körper durch natürliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst viele lebensnotwendige Vitamine und Mineral- und sekundäre Pflanzenstoffe zuzuführen – und zwar ohne gleichzeitig zu viel Kalorien zu sich zu nehmen. Vereinfacht gesagt: Gemüse hat eine niedrige Kaloriendichte, aber eine hohe Nährstoffdichte. Pommes Fries haben eine hohe Kaloriendichte, aber eine niedrige Nährstoffdichte (Nährstoffe/kcal). Schade irgendwie: Wer nimmt sich heute noch Zeit für das Zubereiten frischer Lebensmittel, die in der Kombination sehr wohl gut schmecken können? Sollten Sie gesund kochen, und das Problem läge eher darin, dass Sie einfach zu viel essen, dann wohl, weil eine subtile Angst ihnen einflüstert, sie bekämen nie wieder etwas so Feines demnächst.
  • Arterielle Hypertonie
    Der erhöhte Blutdruck ist ein Phänomen für sich und kann natürlich auch bei nicht metabolischen Betroffenen auftreten. Sollte man aber Gewicht, Blutzucker und Blutfette in den Normbereich senken, kann man in der Regel auch mit einer Verbesserung des Blutdrucks rechnen. Wieso straft uns die Natur denn überhaupt mit unterschiedlichen Werten des Blutdrucks? Ein dauerhafter Paradeblutdruck von 120/80 mmHg wäre doch viel einfacher. Nun, fragen Sie sich einmal, wieso ein PKW mehrere Gänge und ein Gaspedal hat. Nach dieser Logik benötigt der Körper bei hoher körperlicher Belastung mehr Versorgung mit sauerstoffreichem Blut als im Ruhezustand. Diese Variabilität hilft uns, uns bestmöglich an eine abwechslungsreiche Umwelt anzupassen. Aber auch hier wird mit den Folgen einer Bluthochdruckerkrankung viel zu aktiv geworben und vorschnelle Therapien in die Wege geleitet. Zunächst einmal geht nichts über eine saubere Dokumentation der Blutdruckwerte (z.B. in Form eines Tagebuchs). Wie gesagt: Unser Körper passt sich an. Eine Behandlung auf Basis eines einzelnen gemessenen  Wertes ist fahrlässig und unseriös. Ich plädiere grundsätzlich für eine Entmystifizierung des Bluthochdrucks: Er ist häufig gut zu verstehen und gut zu therapieren – und muss nicht zwingend ein lebenslanges Schicksal sein, dem man sich nun beugen muss.

Hat sich jemand eigentlich schon mal Gedanken gemacht, was aus der Angst wird, wenn das metabolische Syndrom (teilweise) zu akzeptablen Normwerten reguliert wurde? Viele der Indikatoren eines Metabolischen Syndroms sind nämlich reversibel, also bei entsprechenden Anpassungen des Lebensstils umkehrbar – oft ohne bleibende Schäden je nach Schwere der Symptomatik und Zeitpunkt der Intervention.

Könnte es sein, dass diese Angst sich irgendwo in uns als dauerhafte Triebfeder eingenistet hat und uns somit «schützt»? Das mag wohl die positive Theorie zu unserer Verhaltensänderung darstellen – die Angst als natürliche Schleife, damit wir überleben. Es könnte aber doch auch sein, dass wir dauerhaft von dieser kleinen, lästigen Angst unbewusst geplagt sind, welche sich nur allzu gerne mit weiteren kleinen Ängsten zu einem beträchtlichen Konvolut von Angst entwickeln kann. Hier das Übergewicht, dort eine gescheiterte Beziehung und an anderer Stelle eine chronische Unzufriedenheit im Job: Unglück kommt selten allein, genauso wenig wie eine manifeste Depression. Ich denke eine etwas andere Betrachtungsweise hätte ebenso einmal einen Gedanken verdient. Am Ende ist vielleicht alles gar nicht so schlimm und türmt sich auf, wenn wir der ursprünglichen Ausgangslage etwas Positives abgewinnen – ohne die Angst als extrinsischen Reiz zu instrumentalisieren.

Ich habe versucht aufzuzeigen, dass ein Metabolisches Syndrom – aus physiologischen Ängsten entstehend – bei falscher Herangehensweise dauerhaft zum generellen Angstgefühl beitragen kann. Was also wäre mein Vorschlag? Reden Sie mit Ihrem Arzt – er wird Ihnen (hoffentlich) das richtige Team zur Seite stellen, um eine etwas andere, weniger bedrohliche Perspektive zu schaffen. Aber auch Sie selbst sind gefordert – und zwar in einem schönen, motivierenden Sinn: Nehmen Sie sich auch Zeit für sich, bewegen Sie sich, kochen Sie gemeinsam mit Familie und Freunden. Fokussieren Sie sich auf das, was Ihr Körper zu leisten imstande ist – nicht nur auf Defizite im Vergleich zu anderen Menschen. Sie werden sehen, dass Ihr Körper Ihnen bei vielen der aufgeführten Aktivitäten ein positives Feedback geben wird, welches Sie motiviert, weiterzumachen. Unsere Gesellschaft ist zu ängstlich geworden. Kopf einziehen und verstecken hilft hier nicht. Mit positiver Energie lässt sich nachhaltiger Wandel am besten umsetzen. Viele meiner Patienten, die von Ausprägungen eines Metabolischen Syndroms betroffen waren und sich selbst geheilt haben, würden mir hier zustimmen.

Dr. Robert Klingl

Dr. Robert Klingl

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Chief Medical Officer (MED4LIFE)

Grundsätzlich gilt: Grundumsatz + Leistungsumsatz = Gesamtenergieumsatz (pro Tag)

  1. Ermittlung des Grundumsatzes (in kcal)
    Der Grundumsatz entspricht dem täglichen Energieverbrauchs einer Person in körperlicher Ruhe, welcher zur Aufrechterhaltung der körperlichen Funktionen (z.B. Organtätigkeiten, Gehirnaktivität, Atmung, Thermoregulation, Verdauung) benötigt wird. Der Ruheenergieverbrauch ist abhängig von einer Vielzahl von Faktoren (z.B. Alter, Geschlecht,  Grösse, Gewicht, Muskelmasse).

    Wer es exakt wissen möchte, dem sei eine indirekte Kalorimetrie empfohlen. Eine gute Annäherung liefert der Gold-Standard der Ernährungsmedizin, die bereits 1918 entwickelte Harris-Benedict-Formel:
    Männer: 66.5 + 13.8 x Gewicht [kg] + 5.0 x Grösse [cm] – 6.8 x Alter [Jahre]
    Frauen: 655 + 9.6 x Gewicht [kg] + 1.8 x Grösse [cm] – 4.7 x Alter [Jahre]

  2. Ermittlung des Leistungsumsatzes (in kcal) bzw. des Physical Activity Levels (PAL)
    Körperliche Aktivität (z.B. in Form von Sport) sowie ein aktiver, bewegungsintensiver Lebensstil erhöhen den Energiebedarf, den der Körper insgesamt pro Tag benötigt. Der so genannte PAL-Faktor ist der Wert, der in Abhängigkeit von der körperlichen Aktivität einer Person, mit seinem Grundumsatz multipliziert werden muss, um den pro Tag insgesamt benötigten Energiebedarf zu berechnen. In einem inaktiven Lebensstil mit sehr viel Liegen und Sitzen liegt der PAL-Faktor ungefähr zwischen 1.2 und 1.4, bei Büroarbeit zwischen 1.3 und 1.6 sowie bei schwerer körperlicher Belastung bei bis zu 2.4. Für Profisportler wie z.B. Triathleten gelten gänzlich andere Orientierungswerte: So können beim weltbekannten Ironman durchaus um die 10’000 kcal verbrannt werden, die über die Nahrung wieder zugeführt werden müssen.

  3. Ernährungsplanung auf Basis des Gesamt-Energieumsatzes
    Nun fängt die Arbeit, aber auch die “Magie” einer ausgewogenen Vollwertkost erst an. Mit der ermittelten, täglich zuzuführenden Kalorienmenge lässt sich in Abstimmung mit den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr nun die empfohlene, prozentuale Verteilung auf die Makronährstoffe bestimmen. Letztere können auch als Energielieferanten bezeichnet werden und beinhalten Kohlenhydrate (4kcal pro g), Ballaststoffe (2kcal pro g), Fett (9kcal pro g) und Protein (4kcal pro g). Alkohol liefert auch Energie – und zwar nicht unwesentlich – sei aber an dieser Stelle nicht näher empfohlen. Auch die Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) spielen eine ganz wesentliche Rolle und müssen berücksichtigt werden. Für die konkrete Ernährungsplanung empfehle ich Ihnen allerdings, mit einem versierten Ernährungsberater zusammenzuarbeiten, da die Komplexität abhängig von Ihrer individuellen Zielsetzung (z.B. Gewichtsabnahme, Muskelaufbau, sportliche Ambitionen) sehr schnell ansteigen kann.
Dr. Carsten Paulus

Dr. Carsten Paulus

Chief Executive Officer (MED4LIFE)
Bewegungstherapeut und Fitnesstrainer (MED4LIFE)
Coach für Sporternährung (MED4LIFE)

Wissen Sie, dass Diabetes oder die sogenannte “Zuckerkrankheit” Folgen für den gesamten Körper haben kann?

Der zu hohe Zucker im Blutkreislauf strömt durch den ganzen Körper und es kann dabei zu Schädigungen an Organen sowie am Bewegungsapparat kommen.

Aber wie entsteht eigentlich ein Diabetes? Zunächst ist zwischen zwei Typen zu unterscheiden:

  • Beim Typ I Diabetes ist die Ursache eine Autoimmunerkrankung. Die Körperzellen greifen sich gegenseitig an. Die dafür vorgesehene Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin mehr produzieren, was insbesondere den Kohlenhydratstoffwechsel (d.h. über die Nahrung zugeführten Zucker) reguliert.
  • Beim Typ II Diabetes kann der Körper nur zu wenig oder nicht wirksames Insulin produzieren. Ich bezeichne es immer als eine Art „Burn-out“ – die Bauchspeicheldrüse ist „erschöpft“.

Aber was ist denn eigentlich dieses Insulin? Insulin ist ein so genanntes “Speicherhormon”:  Es sorgt dafür, dass der Zucker im Blut vom Körper aufgenommen, gespeichert und letztlich bei Bedarf in Energie umgewandelt werden kann. Es ist somit wie ein Schlüssel für die Körperzellen. Da ein Diabetiker zu wenig oder gar kein Insulin mehr produzieren kann, bleibt der Zucker im Blut „stecken“ statt in den dafür vorgesehenen Depots in der Leber und den Muskeln gelagert zu werden.

Die Konsequenzen sind oft verheerend. Zum Beispiel droht eine Fettleber – ja, richtig gelesen: Fett. Um sich des steten Zustroms an Kohlenhydraten zu entledigen, neigt die Leber bei einer Insulinresistenz dazu, Kohlenhydrate in Fette umzuwandeln. Auch die Füsse, die uns im besten Fall durch unser gesamtes Leben tragen, können durch Diabetes auf verschiedenste Weisen geschädigt werden, z.B. an den Nerven, wodurch es zu einer Schmerzunempfindlichkeit kommen kann. Die Fussgelenke reagieren oft mit Bewegungsstörungen, auch Hornhaut und Nagelveränderungen sollten nicht ignoriert werden.

Auch unsere Nieren, Gefässe, das Herz oder unsere Augen können durch Zucker beschädigt werden. Daher ist es wichtig, regelmäßige Kontrollen – auch und gerade präventiv – durchzuführen. Man kann in etwa ausrechnen, wann erste Folgeschäden auftreten können. Abgesehen von einer Ernährungsweise mit vielen Einfachzuckern (z.B. Softdrinks, Süssigkeiten) sorgen auch weitere Risikofaktoren wie z.B. Rauchen oder ein hoher Blutdruck zu einer Komplikation der vielfältigen Symptome.

Am besten beugen Sie Diabetes mit einer ausgewogenen Vollwertkost mit wenig zuckerhaltigen Getränken und Nahrungsmitteln sowie regelmässiger sportlicher Betätigung vor. Während z.B. der häufige Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks unsere Insulinsensitivität verringert, wirkt Sport als das Gegenteil davon: Er erhöht die Fähigkeit der Zellen, auf Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse zu reagieren.

Am Ende haben wir es selbst in der Hand! Nicht umsonst werden Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck) oder Herzkreislauferkrankungen als Zivilisationskrankheiten bezeichnet. Wenn derartige Krankheitsbilder in den meisten europäischen Gesellschaften auf dem Vormarsch sind, sollten wir etwas an unserer “Zivilisation” ändern. Unser Körper reagiert nur so, wie er es evolutionär gelernt hat.

Carina Keller

Carina Keller

Physician Assistant Manager und Leiterin Diabetessprechstunde (MED4LIFE)

Die empfehlende Aussage «gesunder Geist in einem gesunden Körper» (MSICS), unterliegt seit seinem römischen Ursprung einem steten Wandel durch die Jahrhunderte. Allerdings nicht in der Kernaussage, sondern in den Umständen der Möglichkeiten zur aktiven Umsetzung. Noch nie war es vermeintlich einfacher, das Konzept MSICS im digitalen Zeitalter effektiv zu leben. Das Internet bietet ausreichend Instruktion zu individuell angepasstem Training, Ernährung, Lifestyle und Ratgeber-Wissen (den Blogbeitrag, den Sie gerade lesen, ist ein Indiz hierfür). Devices wie Smartwatches führen Buch über Gehleistung, Schlaf und Herzrhythmus – praktisch jede Frage, die wir uns zu unserer Gesundheit stellen können, hat ein digitales Pendant. In der Unternehmenswelt entsteht eine richtige Gründerwelle zum Thema “Digital Health”. Und auch die Wissenschaft hält Schritt mit diesen Entwicklungen: So betreibt die ETH Zürich das Centre for Digital Health Interventions (CDHI), das digitale Biomarker zur Vermeidung chronischer und psychischer Erkrankungen erforscht.

So weit, so gut. Die digitale Welt erleichtert uns also unsere Lernkurve und erhöht unseren Wissensstand. Optimal gerüstet ist der Geist (Mens) in den heutigen Zeiten also gesund? Weit gefehlt! Ein gesunder Geist ist ein solcher, der sich selbst findet, in sich ruht und wächst an selbstbestimmter Herausforderung – und nicht an steter Überforderung. Die digitale Welt ist mittlerweile an Informationsvolumen nicht mehr greifbar, es wächst exponentiell. Die Gefahr einer Überinformation ist naheliegend, insbesondere wenn die Kompetenz für Filterung und Selektion der relevanten Informationen nicht (mehr) vorhanden ist. Wir haben es also mit einem klassischen Paradoxon zu tun: Das verfügbare Wissen rund um Gesundheit war in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nie so gross wie heute – und doch macht uns unser Lebensstil so krank wie nie zuvor (daher auch der Begriff der “Zivilisationskrankheiten”).

Die Anforderung, der wir uns als digital anerzogene oder digital native Generationen stellen müssen, ist die klare Trennung zwischen der digitalen Welt und den Sinneseindrücken der realen Welt. Erfahrungen in der einen Welt können nicht kompensieren für Defizite in der anderen Welt. Dies gilt insbesondere für heutzutage stark verbreitete Missstände in der realen Welt – hier können Körper und Geist gesundheitsfördernd behandelt werden: Ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Zeit an der frische Luft, kontrollierte Sonneneinstrahlung und erholsamer Schlaf.

Unter dem Aspekt der unbewussten digitalen Beeinflussung bringt mich ein analoger Turnschuh zum Schmunzeln. Die nicht unbekannte Laufschuhmarke nutzt als Markennamen das Akronym ASICS: «Animus sana in corpore sano», Geist (Mens) wird also durch Seele, Herz und Mut (Animus) ersetzt. Wunderbar analog! Und die wenigsten ASICS-Träger sind sich bewusst, dass sie auf einer alten Weissheit stehen und laufen.

Kommen wir zurück zum «sich selbst finden». Das ist leichter gesagt als getan. Man könnte meinen, dass sich finden voraussetzt, bisweilen auch verloren zu sein. Ich würde es etwas milder formulieren und davon ausgehen, dass man in seinen Lebensphasen mehrfach abgelenkt wird und einfach wieder dorthin zurückfinden sollte, wo es damals für die meisten von uns so wunderbar einfach war: In der (hoffentlich) unbeschwerten Kindheit.

Haben Sie kürzlich einmal die Augen eines Kindes gesehen, welches Freude strahlend über eine Wiese geht, wenn die Sonne scheint oder übermütig in einen Schneehaufen springt? Kennen Sie den Glanz wissbegieriger Kinderaugen, die noch träumen können, und bereit sind, jeden Tag Neues zu lernen und die Welt zu erkunden? Niemand muss einem Kind den Spass an Bewegung vermitteln (corpore sano) – es liegt in unserer DNA. Ebenso sind Kinder sehr direkt in der Artikulation ihrer Bedürfnisse, Wünsche und Ansichten. Worüber wir Erwachsene in solchen Situationen häufig schmunzeln oder im Sinne der Höflichkeit die Nase rümpfen, ist ein wesentlicher Teil psychischer Hygiene (mens sana): Authentisch sein dürfen und in Einklang mit sich selbst leben. Leider haben viele von uns auf dem Weg, den Sie über Jahrzehnte gegangen sind, ihre Wurzeln vergessen: Spielen, Spass haben, Neues lernen. Dementsprechend entsteht häufig ein Gefühl der Hilf- und Orientierungslosigkeit.

Ist die Lösung für die Gesundheit der Menschheit also eine völlige Abkehr von der digitalen Welt? Immerhin machen Social Media, häufiges Sitzen, lange Bildschirmzeiten nachweislich krank bzw. unglücklich. Zunächst dürfen Körper und Geist nicht getrennt voneinander betrachtet werden – das relativ junge Forschungsfeld der Psychoneuroimmunologie belegt die vielfältigen Wechselwirkungen (entgegen der separaten Sichtweise der alten Römer). Körper und Geist können also nicht zum Einklang finden, solange der Mensch nicht zu sich und seiner Psyche steht (Mens) und seinen Körper “artgerecht” unterhält (Corpore).

Was ist diesbezüglich der aktuelle Stand? Widmen wir uns doch einmal dem perfekten Körper. Er ist durchtrainiert, perfekt ernährt, ästhetisch ansprechend. Würde so ein Körper automatisch zum gesunden Geist führen? Nun, digital vielleicht – allzu gross ist die Versuchung, sich in den sozialen Medien als glücklicher, durchtrainierter und gesunder Mensch zu präsentieren. Die Realität  liegt allerdings noch immer in der analogen Welt. Im Gespräch mit Augenkontakt, im Empfinden der Aura des Gegenüber, in der Wahrnehmung der umgebenden Umwelt – das ist evolutionär determiniert durch unser Erbe als soziale Lebewesen. Was uns unsere römischen Vorfahren sagen wollten, ist, dass ein gesunder Geist nur in der realen Welt stattfinden kann. Oder haben Sie jemals geschafft, 10 digitale Liegestützen zu machen?

Fazit: Die digitale Welt ist etwas Wunderbares, wenn man sie zu nutzen weiss. Allerdings zwingend innerhalb der Grenzen unserer realen Welt, nicht umgekehrt. Warum nicht einmal ohne Smartphone und Laptop auf einer Parkbank oder in einem gemütlichen Café sitzen und die wunderbare Gegenwart der realen, analogen Welt geniessen? Das wäre mir ein persönliches Anliegen als Mensch, aber auch ein fachliches Anliegen auf Basis meines Wissens rund um einen gesunden Geist in einem gesunden Körper.

Dr. Robert Klingl

Dr. Robert Klingl

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Chief Medical Officer (MED4LIFE)

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) definiert die Inhalte und Ziele der Arbeitsmedizin wie folgt:

INHALTE
Das Gebiet der Arbeitsmedizin umfasst als präventivmedizinisches Fach die Wechselbeziehungen zwischen Arbeits- und Lebenswelten sowie Gesundheit und Krankheiten. Im Mittelpunkt steht der Erhalt und die Förderung der physischen und psychischen Gesundheit und Leistungsfähigkeit des arbeitenden Menschen. Dazu gehören

  • die Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsbedingungen,
  • die Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Begutachtung arbeits- und umweltbedingter Risikofaktoren, Erkrankungen und Berufskrankheiten,
  • die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefährdungen, inkl. individueller und betrieblicher Gesundheitsberatung,
  • die Vermeidung von Erschwernissen und Unfallgefahren,
  • die berufsfördernde Rehabilitation.

Die Arbeitsmedizin stützt sich auf eine ganzheitliche Betrachtung des arbeitenden Menschen mit Berücksichti­gung somatischer, psychischer und sozialer Prozesse. Sie handelt auf der Grundlage eines wissen­schaftlich begründeten medizinischen Methodeninven­tars und nutzt auch Erkenntnisse und Methoden anderer Wissenschaftsdisziplinen. Ihre Aktivitäten sind eingeordnet in multidisziplinäres Handeln.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), 2021

ZIELE
Die Ziele der Arbeitsmedizin bestehen in der Förderung, Erhaltung und Mitwirkung bei der Wiederherstellung von Gesundheit  sowie der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit des Menschen. Die Ziele der Arbeitsmedizin werden umgesetzt durch

  • das Bereitstellen wissenschaftlicher Grundlagen für die menschengerechte Gestaltung von Arbeit,
  • das Aufdecken von Ursachen und Ableitung präventiver Maßnahmen bei arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen, arbeitsbedingten Erkrankungen, Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen,
  • das Mitwirken bei Förderung, Erhalt und Wiederherstellung der individuellen Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), 2021

BERUFSFELD
Einen interessanten Einblick in die alltägliche Arbeit des Arbeitsmediziners bzw. der Arbeitsmedizinerin liefert beigefügtes Interview des in Medizinstudenten- und Ärztekreisen bekannten Thieme-Verlags.

Um es vorwegzunehmen: Die eine Super-Diät für jeden Menschen gibt es nicht. Zunächst bedeutet das altgriechische Wort Diät „Lebensführung“ – die so genannte Diätetik beschäftigt sich also mit der richtigen Ernährungs- bzw. Lebensweise. Leider wird der Begriff umgangssprachlich oft mit einer Reduktionsdiät zur Gewichtsabnahme gleichgesetzt, was nicht mit einer dauerhaft ausgewogenen Vollwertkost einhergeht.

Statt auf kommerzielle Angebote mit vielversprechenden Erwartungen in kürzester Zeit einzugehen, seien die wissenschaftlich fundierten Orientierungswerte für eine vollwertige Lebensmittelauswahl durch die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen. Die gemeinsam verabschiedeten D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Makro- und Mikronährstoffe) bilden einen generellen Rahmen. Darüber hinaus bestimmen genetische Faktoren (z.B. Kohlenhydrat-/Fettstoffwechsel), Faktoren des Lebensstils (Sportpensum, Krankheiten, Tagesablauf),  persönliche Intoleranzen (z.B. Laktose) und individuelle Präferenzen (z.B. vegan, vegetarisch) die „ideale“ Ernährungsweise. Ein „One Size Fits All“-Ansatz für Ernährung gibt es nicht, insofern muss individuell analysiert und optimiert werden.

Dr. Carsten Paulus

Dr. Carsten Paulus

Chief Executive Officer (MED4LIFE)
Bewegungstherapeut und Fitnesstrainer (MED4LIFE)
Coach für Sporternährung (MED4LIFE)